Aquatisches Artenschutzzentrum
Das Aquatische Artenschutzzentrum ist Teil des Forstbetriebes der Agentur Landesdomäne. Zentrale Zielsetzung des AASZ ist der Schutz und die Wiederansiedelung der autochthonen Fischarten sowie des Dohlenkrebses. Neben dem Erhalt der genetischen Integrität sind wir bestrebt, den Wildfischcharakter der Fische zu bewahren. Um dieses Ziel zu erreichen, werden die Strukturen im Artenschutzzentrum den natürlichen Lebensraumansprüchen der gehaltenen Fischarten angepasst, sodass diese in einer möglichst naturnahen Umgebung aufwachsen können. Das Aquatische Artenschutzzentrum beschreitet dabei einen einzigartigen Weg und leistet Pionierarbeit.
Supportive breeding
Die Grundlage unserer Artenschutzarbeit ist das so genannte „supportive breeding“, die Stützung der Fischbestände über die Vermehrung und Aufzucht von Teilen des Wildfischnachwuchses und anschließender Wiederbesatz in die Ursprungsgewässer. Der Fokus liegt dabei auf der Förderung der Marmorierten Forelle, dem einzigen heimischen Vertreter der Gattung Salmo (Forellen) in Südtirol. Zusätzlich ist das AASZ darum bemüht, die adriatische Äsche sowie die autochthonen Kleinfischarten zu fördern und zu erhalten.
Marmorierte Forelle
Die „Marmorata“ ist die einzige in Südtirol südlich des Alpenhauptkamms heimische Forellenart. Der großwüchsige und räuberische Fisch ist leicht durch die typische Marmorierung mit recht unterschiedlicher Zeichnungs- und Grundfarbe zu erkennen. Zu den Lebensräumen zählen die Forellenregion, die Äschenregion und zum Teil die Barbenregion.
Die Bestandsituation ist vor allem durch die Hybridisierung mit der eingebürgerten Bachforelle, aber auch durch andere menschliche Einflüsse gefährdet.
Die Erhaltung der “Königin der Gewässer Südtirols“ ist die wichtigste Aufgabe des Aquatischen Artenschutzzentrums. Dabei werden jedes Jahr wildlebende Marmorierte Forellen gefangen, um Eimaterial für den Aufbau eines Reproduktorenbestands zu gewinnen. Die beiden Grundsäulen bei der Arbeit sind die lückenlose genetische Untersuchung aller Individuen und die naturnahe Aufzucht des Wildfischnachwuchses. Das Ziel dabei ist es möglichst gut an die Natur angepasste Eier und Jungfische für die bestandsunterstützenden Besatzmaßnahmen zu erhalten.
Naturnahe Haltung
Bislang gewonnene Erfahrungen und wissenschaftliche Studien waren ein eindeutiger Richtungsweiser, einen neuen Weg einzuschlagen.
Die klassische Fischzucht birgt nämlich die Gefahr der Domestizierung und Hybridisierung. Normale Zuchtfische sind nur begrenzt in der Natur überlebensfähig. Der Grund für diese geringere Überlebensrate liegt vor allem in der ungewollten Domestizierung der Fische durch die Haltungsbedingungen in den Zuchten und nicht durchdachte Verkreuzung. Dabei findet eine Art ultraschnelle Evolution statt, bei der die Anpassungen an die Natur verloren gehen.
Um genau diese Domestizierung zu vermeiden, wurden die Strukturen und das Futter im Aquatischen Artenschutzzentrum den natürlichen Lebensraumansprüchen angepasst. Besonders der Start und die Anfangsjahre waren schwierig, denn die Arbeitsweise musste sozusagen neu erfunden werden, was viele Stolpersteine mit sich brachte. Dank der vielen Investitionen der Agentur Landesdomäne und Ausgleichsmitteln aus Wassernutzung ist die Anlage inzwischen auf einem guten Stand.
Besonders das 180 Meter lange Fließgerinne sorgt bei Besuchern aus dem In- und Ausland für Bewunderung. Dieses ist von einem natürlichen Bachlauf kaum zu unterscheiden. Dort leben die für die Eiproduktion heranwachsenden Mutterfische, welche sich zum Großteil von Naturfutter wie Insekten, Plankton und Beutefischen ernähren.
Besatz und Produktionssteigerung
Seit Herbst 2017 bemüht sich das Aquatische Artenschutzzentrum auf naturnahe Weise einen Mutterfischbestand der Marmorierten Forelle aufzubauen und auch andere Fischarten zu vermehren. Aufgrund der kritischen Bestandsituation einiger Fischarten ist es notwendig eine Generation in der Anlage zu halten, um eine adäquate Besatzmenge zu erhalten.
Nach einer 7-jährigen Aufbauphase wurden 2024 im Aquatischen Artenschutzzentrum erstmals 360.000 Eier der Marmorierten Forelle abgestreift, wovon ca. 100.000 Stück zu Jungfischen herangezogen werden. Der Rest der Marmorata-Eier wurde in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wildtiermanagement in künstliche Laichstellen besetzt.
Die Eimenge wird in den kommenden Jahren weiterhin um mehrere hunderttausend Eier steigen und landesweit schon bald eine Million erreichen. Ziel ist aber nicht eine möglichst große Quantität zu erreichen, sondern eine möglichst gute Anpassung der Fische an die Bäche des Landes zu gewährleisten. Der Fokus soll auf dem direkten Besatz dieser Eier in die Gewässer liegen, da Salmoniden durch den „Homing-Effekt“ auf den Geburtsort geprägt werden.
Jungfische sind zwar für die von Stauraumspülungen und Schwall betroffenen Abschnitte wichtig, wo das Aufkommen vom Eimaterial gestört ist, ohne Qualitätseinbußen wäre es aber nicht möglich eine ähnlich große Anzahl an Jungfischen aufzuziehen. Diese Jungfische werden zugegebenermaßen in klassischen Rundbecken gehalten, aber neben Kunstfutter auch mit Plankton versorgt und spätestens im Herbst in die Gewässer als Sömmerlinge besetzt. Größere Besatz-Klassen sind aufgrund der Domestizierungsproblematik landesweit nicht zugelassen.
Wiederansiedelung bedrohter Arten
Die Sicherung des Fortbestandes der heimischen Adriaäsche ist eine weitere wichtige Aufgabe für das Aquatische Artenschutzzentrum. Während eines Teilprojekts wurden mehrere hundert Äschen in den Durnholzer See besetzt. Dort sollen sie sich nun fortpflanzen und einen selbsterhaltenden Bestand bilden. Die nächsten sogenannten Genpools sollen in Ulten in der Falschauer und in der Passer entstehen. Die ersten Äschen wurden bereits 2023 in die Falschauer freigelassen und der Start der Ansiedlungsmaßnahmen in der Passer ist für 2025 geplant.
Auch die Bemühungen um die in Südtirol heimische Elritze („Pfrille“) gehen gut voran. Die durch genetische Untersuchungen identifizierten, autochthonen Individuen werden seit einigen Jahren erfolgreich in Naturteichen in der Anlage vermehrt, 2024 wurden ca. 12.000 Nachkommen herangezogen.
Ähnlich gut sieht es bei den Dohlenkrebsen aus, welche sich in einem Naturteich in der Anlage sehr gut fortpflanzen. Daher konnten 2023 und 2024 ca. 1.000 Individuen abgeschöpft und für den Besatz zur Verfügung gestellt werden. Ein Teil davon wurde in abgelegenen Teichen frei von Störung und umweltschädlichen Einflüssen freigelassen und der Rest in einen Graben des Unterlands. Ob sich die Dohlenkrebse dort erfolgreich angesiedelt haben und fortpflanzen lässt sich erst in einigen Jahren feststellen.
Projekt MarmoGen
MarmoGen ist ein wissenschaftlich begleitetes Rahmenprojekt, welches seit 2017 landesweit alle Initiativen rund um die Marmorierte Forelle bündelt. Dafür sind die Projektpartner Amt für Wildtiermanagement, Aquatisches Artenschutzzentrum und die Fondazione Edmund Mach eine Kooperation eingegangen. Essenziell für den Erfolg von MarmoGen ist die enge Zusammenarbeit der gennannten Institutionen mit Vereinen, Brutanstalten und Gewässerbewirtschaftern.
Durch MarmoGen werden die genetischen Begleituntersuchungen der Laichfischfänge sichergestellt und die Wildbestände einem genetischen Monitoring inklusive Erfolgskontrollen der Besatzmaßnahmen unterzogen.
Die Daten haben unter anderem eindeutig gezeigt, dass Marmorierte Forellen aufgrund der äußeren Merkmale nicht von Hybriden unterschieden werden können und daher jedes Individuum, welches für die Reproduktion verwendet wird, einer genetischen Kontrolluntersuchung unterzogen werden muss.
Wir danken der Landesfischereiverband Südtirol für die Veröffentlichung der
- Sonderausgabe „Fischen in Südtirol“, Ausgabe 04/2020,
die dem Thema „Die ersten drei Jahre MarmoGen“ gewidmet ist.
Koordinator: Daniel Eisendle
e-Mail: daniel.eisendle@provinz.bz.it
Tel.: +39 0473 94 60 13
Ihr Weg zu uns
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