Flusskrebse
Der heimische Flusskrebs, der Dohlenkrebs zählt zu den am stärksten gefährdeten Tierarten in unserem Land.
Historische Nachforschungen bestätigen im 15. und 16. Jahrhundert eine weite Verbreitung dieser Krebsart in Südtirol.
Mit Sicherheit waren Flusskrebse in allen Landesteilen anzutreffen. Vor allem im Überetsch und im Etschtal sowie generell in den größeren Talschaften soll der Dohlenkrebs aufgrund der einst vorhandenen Sumpfgebiete flächendeckend vorhanden gewesen sein. Im Mittelalter waren Krebse von wirtschaftlicher Bedeutung und standen auf so mancher Speisekarte. In einigen Teichen und Gräben wurden sie eigens zum Verzehr gehalten.
Von 50 historisch bekannten Standorten sind heute lediglich einige wenige Populationen nachweisbar. Die älteste Krebspopulation in Südtirol wurde bereits 1310 bei Lana beschrieben. Vor wenigen Jahren ist auch diese Population erloschen.
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Edelkrebs
Der Edelkrebs ist eine mitteleuropäische Flusskrebsart, die in Südtirol nicht heimisch ist. Hierzulande wurde er in einigen Gewässern künstlich angesiedelt. Der Edelkrebsbestand in einem kleinen Wiesenbach bei Gais im Pustertal, dürfte als einziges Südtiroler Vorkommen aus einem historischen Bestand entstanden sein. Außerdem bildet der Edelkrebs auch in einigen wenigen Privatteichen stabile Populationen aus. Als Lebensraum bevorzugt der Edelkrebs sommerwarme, nährstoffreiche Gewässer mit geringer Fließgeschwindigkeit. Mit Körperlängen bis 18 cm ist diese Flusskrebsart großwüchsiger als der heimische Dohlenkrebs. Zudem unterscheidet sich der Edelkrebs durch das Vorhandensein von zwei Paar Hinteraugenleisten und der rötlichen Scherenunterseite vom Dohlenkrebs.
Als eingebürgerte Art wurde in Südtirol auch der Edelkrebs ganzjährig unter Schutz gestellt, aktive Wiederansiedlungsmaßnahmen sind allerdings nicht geplant.
Dohlenkrebs
Der Dohlenkrebs bewohnt sauerstoffreiche Gewässer in Süd-, Mittel- und Westeuropa. Die einzige in Südtirol heimische Krebsart gehört einer südlichen Unterart des Dohlenkrebses an und kommt nördlich der Alpen nicht vor. Der Dohlenkrebs ist durchaus auch in der Lage, sommerliche Wassertemperaturen über 24 °C zu ertragen. Stabile Bestände können nur in Gewässern mit strukturierten Uferzonen bestehen. Im Herbst sind tiefere Wassertemperaturen nötig, um eine Eireife auszulösen. Die Färbung des bis zu 12 cm langen Dohlenkrebses variiert je nach Standort zwischen Olivgrün und Braun. Die Oberseite der Scheren erscheint etwas dunkler als der Körper, wobei die Scherenunterseite deutlich heller ist. Die Hinteraugenleiste (Postorbitalknoten) des Dohlenkrebses ist einteilig und hinter der Nackenfurche befinden sich mehrere Dornen.
Der Dohlenkrebs ist eine gefährdete Art, welche in Südtirol ganzjährig geschützt ist.
Kamberkrebs
Diese nordamerikanische Krebsart ist selten größer als 10 cm. Die Körperfärbung ist meist ein helles Braun wobei der Hinterleib von rostroten Querstreifen durchzogen ist. Der Kamberkrebs besitzt wie der Dohlenkrebs nur ein Paar Hinteraugenleisten. Der Vorderkörperpanzer (Cephalothorax) ist im Unterschied zum Dohlenkrebs aber mit einem Dornenfeld gespickt, besonders im Wangenbereich ist dieses stark ausgeprägt. Die Scheren, deren Unterseiten gelblich weiß bis beige gefärbt sind, erscheinen verhältnismäßig klein und die Spitzen sind farblich abgesetzt. Seinen Ursprung hat der kleine Flusskrebs im Osten der USA, er wurde aber bereits um die Jahrhundertwende nach Europa importiert. Als anspruchslose Art kommt der Kamberkrebs gut mit Sauerstoffmangel und Gewässerverschmutzung zurecht. Als exotische Art besiedelt der Kamberkrebs mittlerweile viele norditalienische Seen in hohen Dichten. In Südtirol konnte er bisher nur im Vahrner See Fuß fassen, allerdings geht von solchen lokalen Populationen immer die Gefahr einer Verschleppung in andere Gewässer aus. Dies muss unbedingt verhindert werden, da vom Kamberkrebs als Überträger der Krebspest große Gefahr für die wenigen verbliebenen Bestände des heimischen Dohlenkrebses ausgeht. Der Kamberkrebs besitzt weder Schonzeit noch Schonmaß.
Signalkrebs
Der Signalkrebs ist eine großwüchsige Krebsart, deren Ursprung sich in Nordamerika, westlich der Rocky Mountains findet. In Europa ist diese invasive Art mittlerweile weit verbreitet und hat zum Erlöschen vieler lokaler Bestände von europäischen Krebsen geführt. Auch in Südtirol gibt es Signalkrebsbestände, wie beispielsweise im Auenbach im Pustertal. Diese invasive Flusskrebsart trägt wie der Edelkrebs zwei Paar Postorbitalknoten, ebenso ist die Unterseite der kräftigen Scheren rötlich gefärbt. An der Oberseite der Scherengelenke befinden sich weiße Signalflecken, welche ein deutliches Merkmal zur Arterkennung darstellen.
Der Signalkrebs besitzt wie der Kamberkrebs weder eine Schonzeit noch ein Schonmaß. Als Überträger der Krebspest ist die Entnahme erwünscht.